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Warum der Amarone seine Konkurrenten Barolo und Brunello abhängen konnte

Der Amarone della Valpolicella, so sein offizieller Name, hat es geschafft. Nach einer rasanten Aufholjagd steht er nun ganz oben. Mit mittlerweile rund 14 Mio. verkaufter Flaschen hat er die Hauptkonkurrenten Barolo (13 Mio. Flaschen) und Brunello (9,5 Mio. Flaschen) hinter sich gelassen. Unter den drei Großen ist er der Publikumsliebling. Dabei lag die Produktionsmenge im Jahre 2000 mit „läppischen“ 2,4 Mio. Flaschen noch deutlich hinter den Edelmarken aus dem Piemont und der Toskana.

Was macht den Amarone so erfolgreich?

Wie konnte es dazu kommen? Was hat der Amarone, das die Menschen so sehr mögen? Um diese Fragen zu beantworten, sollten wir uns zunächst noch einmal in Erinnerung rufen, wer dieser Amarone eigentlich ist.

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Wo kommt der Amarone her?

Seine Heimat ist das Valpolicella, eine Anbauzone im Norden von Verona und östlich des Gardasees. Die Dolomiten schützen das bis auf 400 Metern über NN ansteigende Gebiet vor kalten Nordwinden und der nahegelegene See bringt wohltuenden Temperaturausgleich. Die Kalk- und Tuffsteinböden sind enorm mineralienreich und sorgen für guten Wasserabzug. Die Reberziehung erfolgt entweder traditionell in der Pergola oder – immer häufiger – am Drahtrahmen.

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Wie wird der Amarone gemacht?

Gekeltert wird der Amarone aus autochthonen Rebsorten, vor allem Corvina und Rondinella. Das Herstellungsverfahren besteht darin, speziell selektionierte Trauben einige Monate im „Fruttaio“, einem Speicher mit vielen Fenstern, in Kisten oder auf Strohmatten antrocknen zu lassen. Die Tradition dieser sogenannten „Passito-Weine“ geht auf die Griechen zurück, welche die Stiele der Trauben so verdrehten, dass die Mittelmeersonne den Trauben innerhalb weniger Tage enorm viel Wasser entzog und die reifen Trauben am Rebstock zum Eintrocknen brachte. Ob nun aber die Trocknung unter der Sonne stattfindet oder in gut belüfteten Räumen – das Ergebnis ist jedes Mal ein außerordentlich konzentrierter und reichhaltiger Most.

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Ist Konzentration das Geheimnis?

Klar, im Eintrocknungsprozess verlieren die Trauben eines Teil ihres Saftes, der Most wird dickflüssiger, die Inhaltsstoffe konzentrierter. Vor allem der Zuckergehalt steigt von durchschnittlich knapp 200 g/l auf mehr als 250 g/l an. Aber das ist längst nicht alles. Es passiert noch sehr viel mehr, wenngleich die biochemischen Prozesse dieses Verfahrens noch nicht in allen Details durchschaut werden. Wann immer ich einen Kellermeister im Gebiet danach gefragt habe, die einhellige Antwort war stets: Im Ergebnis des Eintrocknungsprozesses werden geschmacklich aggressive Komponenten abgebaut und geschmacklich wertvolle Stoffe aufgebaut.

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Wie schmeckt so ein Amarone eigentlich?

Wenn alles gut geht, entsteht ein ungemein opulenter, dichter und alkoholreicher Wein, einer der weltweit konzentriertesten, mächtigsten Rotweine überhaupt. Optisch präsentieren sich diese Superweine in einem mittleren, warmen Rot. Die Nase ist betörend und komplex mit viel Kirschenfrucht, balsamischen Noten, Trockenfrüchten und Beerenmarmelade, gelegentlich auch süßen Sirup- und Likörnoten. Der Gaumenauftritt ist geprägt von einer deutlich überdurchschnittlichen Konzentration, enormer Tiefe, viel rundem Tannin und saftiger Fruchtsüße; der Säurelevel ist meist höher, als man beim Trinken sensorisch vermutet, und gelegentlich ist auch etwas Restsüße im Spiel. Diese Massen an Inhalts- und Geschmacksstoffen zu balancieren, ist die eigentliche Kunst der Amaronebereitung.

Die Gründe für seine Beliebtheit auf einen Blick

Die stilistische Besonderheit eines Amarone liegt in der friedlichen Koexistenz von Opulenz, Kraft und Alkoholreichtum auf der einen Seite und Duftigkeit, Wärme und Geschmeidigkeit auf der anderen Seite begründet. Er ist männlich und weiblich zugleich. Er verbindet eine kraftvolle, athletische Performance mit üppigen Hüften und weichen, satten Rundungen. Die Balance dieser Extreme erzeugt eine einzigartige Spannung, sie fesselt und zieht uns mit Haut und Haaren in ihren Bann. Das ist ganz großes Kino.

Der Amarone ist männlich und weiblich zugleich

Der Amarone ist ein trocken ausgebauter Rotwein, er schmeckt aber aufgrund seiner Fruchtkomplexität und des hohen Alkoholgehalts mit Werten zwischen 14,4 und 16,5 Volumenprozent niemals so trocken wie ein Barolo oder ein Brunello. Seine männlichen Merkmale (Säure und Gerbstoffe) sind zwar in größer Fülle vorhanden, sie können sich jedoch im Gesamtbild weniger markant in Szene setzen, weil sie von üppiger Weiblichkeit in Schach gehalten werden. Barolo und Brunello sind sind dagegen eindeutig männliche Weine, eindeutiger in ihrer Jugend als im Alter. Denn auch diese Rotweinklassiker offenbaren mit zunehmender Flaschenreife weibliche Züge, sie werden runder, weicher und milder.

Meine persönlichen Favoriten unter den Amarone-Produzenten:

Albino Armani, Allegrini, Benedetti, Bertani, Boscaini, Ca’ Rugate, Corteforte, Crosarola, Manara, Mizzon, Guiseppe Quintarelli, Rubinelli Vajol, Tommaso Bussola, Zenato, Zeni

Amarone zum Essen

kräftige Wildgerichte, gereifter Bergkäse und Studentenfutter

Wenn Ihnen der Amarone gefällt, dann probieren Sie doch mal…

Valpolicella Ripasso, Valtellina Sfurzat, Zinfandel/Primitivo

Lassen Sie es sich schmecken!

Ihr Wolfgang Staudt

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